Plastikstrom im DarkBW Interview zum Debüt Album „Beton gegen Angst“

PLASTIKSTROM Release Konzert BETON GEGEN ANGST
PLASTIKSTROM Release Konzert BETON GEGEN ANGST

Unser DarkBW Team hat die Jungs von PLASTIKSTROM vor dem Release Konzert zum neuen Album BETON GEGEN ANGST auf ein persönliches Interview getroffen.

Matthias Günzler und Jürgen Schips hatten ihre Fangemeinde am 01.06.2019 zum Release Konzert ihres neuen Albums BETON GEGEN ANGST (am 20.02.2019 bei Young & COLD RECORDS erschienen) ins Kulturzentrum franz.K nach Reutlingen geladen. Zunächst nur auf CD verfügbar gibt’s das Album seit Anfang Mai auch auf Vinyl. Anlass, die Band einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Plastikstrom im Interview

DarkBW:
Ihr kennt Euch bereits seit 1990. Wie habt Ihr es über diese lange Zeit geschafft, gemeinsam Musik zu machen? Was verbindet Euch als Band und als Freunde?

Matthias (Gesang) überlegt kurz: Wir hatten uns schon vor unserer Zeit als Musiker gekannt. Ich war Sänger der Gruppe „The Last Curtain“. Die Band hat sich jedoch aufgelöst. Danach kam „Darc Entries“. Wir waren damals zu dritt und haben jemanden für die Synthesizer gesucht. Ich dachte mir, Jürgen käme in Frage und seither sind wir einerseits zusammen unterwegs, um Musik zu machen. Andererseits hat sich über diese lange Zeit und über die Jahre eine Freundschaft entwickelt. Das ist etwas Einzigartiges. Es kann aber auch Stress bedeuten, wenn man zusammenarbeitet, das hatten wir auch schon. Wirklich kennengelernt haben wir uns in einer Bar in Reutlingen. Dort hatte sich damals die Punk und New Wave Szene getroffen.

Jürgen (Keyboards) lacht: Dem schließe ich mich an.

Interview: PLASTIKSTROM Reutlingen

Interview: PLASTIKSTROM Reutlingen

DarkBW:
1995 gab es Euer erstes Demo Tape, 1996 das zweite. Damals waren Hauptgestaltungselemente für Eure Musik Rasseln, Einkaufswagen und sonstiges. Was prägt heute Eure Musik, welche Gestaltungselemente setzt Ihr überwiegend ein?

Jürgen: Wir hatten damals einen wunderschönen Proberaum in einem alten Fabrikgebäude. Der war riesengroß. Dort fühlten sich auch andere Bands zu Hause. Wir haben dann einfach das genommen, was wir hatten, beispielsweise ein Schlagzeug, auf dem wir herumhämmerten. Heute gibt es dieses Fabrikgebäude nicht mehr, unser Probenraum ist kleiner geworden. Jetzt machen wir elektronische Musik mit Synthesizern.

Matthias: Ja, das Fabrikgebäude damals war echt sensationell.

DarkBW:
Wir haben uns im Vorfeld unseres Treffens mit Eurer Bandgeschichte befasst, die auf Eurer Webseite (www.plastikstrom.de) sehr detailliert beschrieben steht. Uns fällt dabei eine große Lücke zwischen den Jahren 2003 und 2019 auf. Was waren während dieser Zeit Meilensteine für Euch?

Jürgen lacht: Ich war erstmal im Mutterschutz. Nein Spaß. Einen Probenraum hatten wir immer. Anfang der 2000er Jahre hatten wir noch Konzerte. Mit zwei Kindern ist die Zeit für Musik und Freundschaft weniger geworden. Einige Zeit lang haben wir uns nur noch so getroffen und haben aber immer gesagt, wir machen wieder zusammen Musik. Die Zeit hat jedoch oft nicht gereicht für mehr.

Matthias: Zum 25-jährigen Jubiläum vom ABBY-Club sind wir gefragt worden, ob wir nicht einen Song zur Compilation beisteuern wollen. Das haben wir mit AMOK getan und haben eine echt unerwartet gute Resonanz bekommen. Das hat uns ermutigt, nochmals ein paar Stücke aufzunehmen. Plötzlich ergaben sich wieder Konzerte. So kam es dann, dass wir wieder verstärkt tätig waren.

Jürgen scherzt und lacht: Die Kinder sind jetzt groß. Der Mutterschutz ist nun auch schon lange vorbei.

DarkBW:
Habt Ihr musikalische Vorbilder, die Eure Songs beeinflussen? Uns interessiert: Entwickelt Ihr erst den Sound oder den Text? Was entsteht zuerst oder geht das Hand in Hand?

Jürgen: Das ist unterschiedlich. Teils mache ich zu Hause die Musik, bringe sie mit zur Probe oder gebe Matze eine Aufnahme. Er schaut dann, ob ihm textlich etwas dazu einfällt oder passt. Er sammelt generell Texte und Textzeilen, die ihm einfallen. Grundsätzlich gibt es aber unterschiedliche Herangehensweisen, die ist bei uns nicht festgefahren. Irgendwie findet es immer zueinander. Es passiert ganz selten, dass wir aus dem, was wir haben, keinen Song machen. Das ergänzt sich immer ganz gut.

DarkBW:
Eurer aktueller Titel ist BETON GEGEN ANGST. Könnt Ihr uns die Bedeutung des Titels genauer beschreiben? Was war die Motivation, das Album zu veröffentlichen?

Matthias schaut zu Daniel, dem Produzenten und Musiker von Young & Cold Records, der sich am Nebentisch auf seinen Auftritt vorbereitet und antwortet: Also da muss man ganz klar zu Daniel rüber schauen. Zunächst mal zur Entstehung vom Album: Wir durften im letzten Jahr – Marijan sei Dank, der das Ganze vermittelt hat – beim Young & Cold Festival spielen. Wir wissen, dass sich dort unzählige Bands bewerben. Es war uns eine große Ehre, dass es geklappt hat. Was wir dann wirklich toll fanden, war, dass Daniel und Marcel von Young & Cold Records damals nach dem Konzert zu uns kamen und fragten, ob wir es uns vorstellen könnten, mit dem Label zusammenzuarbeiten. Wir dachten: „Wow wie geil, 6er im Lotto“ und so war es dann auch. So ist das mit Daniel entstanden, der das Album produziert hat. Mit Engelsgeduld wurden wir von ihm unterstützt, er gab uns super Inspirationen für den Sound. Unfassbar, das war eine geile Atmosphäre. Wenn wir so zurückschauen, waren wir – auch im Vergleich zu Darc Entries Zeiten – noch nie so zufrieden mit einem Album. Produzent Daniel hat sich viel Zeit genommen. Die Arbeit dort war trotz aller Anstrengung, zum Teil Nächte lang, unglaublich.

Jürgen: Nochmal kurz etwas zu Daniel und dem Young & Cold Studio. Dort erreichten wir einen Sound, wie wir ihn uns vorstellen. Das war immer unser Problem. Wir hatten früher kleine Eigenproduktionen gemacht. Von der Technik her war das kein Vergleich. Daniel hat unsere Vorstellungen 1:1 auf die CD gebracht. Wir sind rundum zufrieden.
Zum Titels, ich habe mal eine Dokumentation gesehen, da ging es um Amerika und dieses Sicherheitsgefühl der Leute dort. Es ist alles in Ordnung, wenn man einen Bunker hat. Die Doku hatte den Titel BETON GEGEN ANGST. Das hat mich fasziniert und passte zu uns.

DarkBW:
Früher war es so, dass Ihr Euch nicht vorstellen konntet, live zu spielen. Wie kommt es, dass Ihr Eure Meinung geändert habt?

Matthias: Es ist tatsächlich so, dass wir viel mit Einkaufswagen, Stahl, Blechen, Rasseln usw. gearbeitet haben. Das kann man live nicht umsetzen. Wir haben sogar live die Songs eingespielt. Zum Beispiel LASST UNS TANZEN, das war das erste Lied, das sogar in Clubs lief, das kann man live nicht umsetzen. Außerdem waren wir mit Darc Entries sehr viel zu Gange.

Jürgen: Das war einfach so, dass wir noch im Proberaum bleiben wollten mit unseren „Probenraum-Projekten“, damit waren wir nie groß live bzw. auf der Bühne.

DarkBW:
Auf was können sich Eure Fans in Zukunft freuen? Sind weitere Auftritte geplant oder eine Tour? Gibt’s kreatives neues Merchandise, wie beispielsweise einen neuen Wanderstock?

ALLE lachen…

Jürgen lacht: Das neue Fan Paket müssen wir noch besprechen.

Matthias: An einem Samstag im August findet ein Wandertag von der Schwarzen Szene Reutlingen/Tübingen statt, die machen das jedes Jahr. Dieses Mal geht es auf den Hohen Urach. Da wollen wir ein Video drehen, quasi Wandertag 2.0. Das wird als Remix erscheinen. Da machen wir ein bisschen unser eigenes Ding, nur ein paar CDs. Wir haben gedacht, das können wir nutzen und lassen das Lied einfach nebenher laufen. Konzerte… natürlich wäre es schön, wenn man Konzerte hätte. Es ist aber schwierig, als kleine Band an Gigs zu kommen. Für Veranstalter ist es auch oftmals ein Risiko, das ist klar. Das machen auch nicht so viele Veranstalter, sich unbekannte Bands zu holen. Es wird immer schwerer, dass unbekanntere Bands eine Chance bekommen.

Jürgen: Wie wir jetzt gehört haben, sind für nächstes Jahr ein paar Sachen offen. Man wird noch von uns hören.

Matthias schmunzelt: Ja, wir müssen schon mal schauen, wie das mit dem Wanderstock ist. 

DarkBW:
Wo geht Eure musikalische Reise hin? Habt Ihr Wünsche? Wo seht Ihr Euch in der Zukunft?

Jürgen: Also ich würde gerne noch ein zweites Album aufnehmen. Weil’s uns einfach so viel Spaß gemacht hat.

Matthias: Ende 2020 wäre ein guter Zeitpunkt, wenn das aktuelle Album ca. anderthalb bis zwei Jahre alt ist. Musikalisch haben wir schon alles gemacht, Gothic Rock, Dark Wave, Punk, Elektro. Es gibt nicht mehr viel, was wir machen können.

Jürgen: Wir haben uns ausgetobt. Ich denke, da wird sich nicht viel ändern. Einfach nochmals eine Platte. Es ist so schön, das anzuhören.

DarkBW:
Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss haben wir für Euch ein kleines Quiz vorbereitet und jeweils zwei Begriffe ausgesucht. Ihr entscheidet Euch bitte für je einen der beiden Begriffe…

 

Unser Kurz-Quiz für Matthias

DarkBW:
Schwarz-Gelb ODER Manuel Neuer

Matthias lacht: Weder noch… Beides geht gar nicht. Schwarz OHNE Gelb.

DarkBW:
Cyber oder Mittelalter Rock

Matthias lacht: Sag mal… Dann noch eher Mittelalter Rock. Das ist hart. Oder Mittelalter Rock zum Anziehen?

DarkBW:
Pitbull oder Dackel

Matthias lacht: Dackel. Ich weiß, wer bei den Begriffen mitgearbeitet hat…

 

Unser Kurz-Quiz für Jürgen

DarkBW:
Oettinger oder Karlskrone

Jürgen lacht: Spezi von Oettinger ist gar nicht mal so schlecht…

DarkBW:
2. Liga oder Champions League

Jürgen: 2. Liga, da spielen sie oben mit (gemeint ist der HSV)

DarkBW:
Lange Haare oder Vollbart

Jürgen lacht: Mittelscheitel

 

Das DarkBW Team bedankt sich bei PLASTIKSTROM für’s Interview und wünscht der Band viel Erfolg mit dem aktuellen Album BETON GEGEN ANGST.

Impressionen vom Release Konzert

Das Album „Beton Gegen Angst“ Vorhören

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Geschrieben von Reeni
Hey Leute, seit den frühen Neunzigern kehre ich als "Urgestein" immer wieder zurück zur "Magie der schwarzen Szene". Anders kann das auch gar nicht sein, denn hier fühle ich mich musikalisch zu Hause. Dabei lege ich mich nie auf eine Stilrichtung fest, um nur nichts zu versäumen, was es sonst noch alles zu entdecken gibt. Die kleinen Club Konzerte sind meine Leidenschaft, hier finde ich Abstand vom Alltag. Ähnlich geht es mir, wenn ich Euch künftig mit Interviews, News, Fotos von Konzerten, Videos und vielem mehr bereichern kann. Ich freu mich auf Euch! Greetinx and best wishes, Doreen (Reeni)

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Doreen KuscheDJ M.A.R.I.J.A.N.Anny Letzte Kommentartoren
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Anny
Editor

Eine großartige Band aus dem Ländle. Live entfalten die Jungs ihr ganzes Potential! Absolut sehens- und hörenswert 🙂

DJ M.A.R.I.J.A.N.
Mitglied

Ein tolles Interview und rückblickend ein wunderschöner Abend 😉

Emmanuel
Admin

Tolles Interview! Das Album klingt auch ziemlich cool. 🙂